Das gehört sich so

 

   
         
         
Meine Arbeit „Das gehört sich so“ , ein Tisch mit Porzellanaufsatz, soll die Tradition des Barock wieder aufnehmen und dessen Verfall gleichzeitig symbolisieren. Tausende Porzellanelemente, einzeln von Hand geformt, sind so gereiht, dass ein Zwiebelmuster entsteht. Dieses wird am ehesten von einer erhabenen Position erkannt. Der Betrachter erkennt erst mit Abstand das Dekor. Die Entfernung birgt die Möglichkeit des Erkennens. Steht man direkt vor dem Tisch, so scheint die Struktur der Einzelteile etwas Weiches, gar Textiles zu haben. Ein Tischläufer, wie er heute gerne Verwendung bei Tischzeremonien verwendet wird, liegt mittig auf der Tafel. Doch er ist nicht weich, nicht gefällig und nicht funktional-einem Relikt aus vergangen Zeiten gleich. Die Aufnahme von Nahrungsmitteln dient dem Menschen nicht nur zum Lebenserhalt, sondern auch zur Verdichtung sozialer Strukturen. Beim gemeinsamen Mahl werden Neuigkeiten ausgetauscht, gemein stiftende Rituale durchgeführt und Statusunterschiede zelebriert. Die gedeckte Tafel ist Sinnbild für einen solchen Ort der Geselligkeit.

Reichte im Mittelalter noch die pure Fülle an unterschiedlichsten Lebensmitteln, um seinen Stand anzuzeigen, mussten mit der Bildung von Städten und die damit einhergehende Bildung eines wohlhabenden Bürgertums andere Formen der Statuskommunikation gefunden werden. Seltene und teure Speisen reichten dem Adel nun nicht mehr, um sich von der einfachen Bevölkerung abzuheben. So entwickelte sich im Laufe der Zeit ein immer detaillierteres Tischzeremoniell. Nicht nur die Regeln der Lebensmittelzuführung wurden immer komplexer, auch die verwendeten Utensilien wurden zahlreicher.

Im 19.Jh. war es dann üblich den Tisch direkt mit Geschirr zu bestücken. Das Gedeck sagte viel über den Gastgeber aus, über sein Lebensgefühl, sein Kunstverständnis und natürlich auch über die aktuellen Moden. So erfreute sich im späten 18.Jh. das chinesische Porzellan in Adelskreisen großer Beliebtheit. Das Material war exotisch und kostbar und löste Begehrlichkeiten aus. Es war ein Statussymbol sein eigenes Porzellankabinett einzurichten und zu unterhalten. Einer der leidenschaftlichsten Sammler war August der Starke von Sachsen. Neben der Einfuhr asiatischen Porzellans ließ er auch an der Entwicklung eines europäischen Porzellans forschen, mit Erfolg. Am 23.1.1710 erteilte August der Starke das königliche Patent auf die Manufakturgründung. Zuerst wurde das rote „Steinguterzeugnis“ hergestellt, das unter anderem auch mit einer kobalthaltigen Glasur überzogen wurde. Die blaue Farbe wurde im Anschluss mit Gold und Silberbemalung ergänzt.

Porzellan, als edelstes der Gefäßmaterialien, kam nicht nur in Form von Tellern, Schüsseln, Tassen, Kannen, Terrinen und dergleichen auf den Tisch, sondern es entwickelte sich auch eine reiche Kultur an Tischaufsätzen, die keinem vordergründigen Zweck dienten, sondern vor allem Status und Kunstsinnigkeit zur Schau stellten. Doch mit der Zunahme an Porzellanmanufakturen und dem damit einhergehenden Überangebot an Figurine und Gefäß, verlor das Material seine Stellung, wenngleich es immer noch dem gehobenen Bürgertum vorbehalten war. Gerade das blau-weiße Zwiebelmuster gehörte seit ca. 1860 zum „guten Ton“. Mit dem Fortschreiten der Industrialisierung und der Entwicklung neuer Verfahrenstechniken wurde die Produktivität der Produzenten erhöht. Hinzu kam, dass das bekannte Dekor in seinem Design ausgesprochen flexibel ist. Die einzelnen Elemente, wie Ranken, Blüten und Zweige passen sich vielen Formen an und so wurden immer mehr Gegenstände mit dem Muster verziert. Heute ist vom Küchenrollenhalter bis zur Klobürste fast alles auch mit Zwiebelmuster zu finden. Eine ungeheure Trivialisierung des ursprünglich edlen Dekors und dem Material Porzellan!

 

My work, "Table wear”, a table with a porcelain top, will resume the tradition of the Baroque and symbolize its decay at the same time. Thousands of porcelain elements, individually shaped by hand, are arranged in such a way that an onion pattern is formed. This is most likely recognized from an elevated position. The viewer only recognizes the decor at a distance. Distance enables the possibility of recognition. If you stand directly in front of the table, the structure of the individual parts seems to have something soft, even textile. A table runner, as he is now used with table ceremony, is located on the center of the table. However, it is not soft, not pleasing and not functional - like a relic from past times. The intake of food is not only a means of life, but also a consolidation of social structures. At the joint meal, news are exchanged, common rituals are carried out and status differences are celebrated. The covered table is a symbol of such a place of conviviality.